Der große Tool-Test für Videostories und Social-Media-Videos

Schon seit einigen Jahren boomt die Verwendung von Videos mit Text. Teilweise werden damit kurze Videogeschichten erstellt, die auch ohne Ton funktionieren können (sogenannte Stories), teilweise aber auch Teaser, mit denen man größere Geschichten auf Social-Media-Plattformen bewerben kann. Natürlich kann man die Videos mit den Apps der großen Plattformen direkt produzieren – aber die unabhängige Produktion hat einige Vorteile. Wer kein Medienhaus mit eigener Videoabteilung und entsprechender Erfahrung im Betexten von Videos hat, für den gibt es einen dritten Weg: professionelle Onlinetools von Drittanbietern, die sich auf die schnelle Herstellung von solchen Kurzvideos spezialisiert haben. Das hat mehrere Vorteile:

  • die Videos können in mehreren Bildschirm-Ratios ausgespielt werden
  • man kann seinen Content dauerhaft außerhalb der walled gardens von Facebook, IGTV oder Snapchat anbieten
  • professionelle Gestaltungsmöglichkeiten auch ohne Schnitterfahrung – teilweise in weniger als einer Stunde


Deshalb hier mein ausführlicher Test von sechs Onlinetools mit Beispielen. Nicht zuletzt sollen auch die Teilnehmer/-innen meiner Kurse damit schneller das passende Tool finden. Wer meinen großen Scrollytelling-Tool-Test kennt, der ahnt, dass es erneut die wunderbar kurze Freiluft-Tanz-Geschichte sein wird, die ich in allen Tools ausprobiert habe.

Testübersicht

Adobe Spark (meine Empfehlung für solide Stories in 16:9 und 1:1)
Animoto
Magisto (meine Empfehlung für schnell erstellte Teaser/Collagen ohne Text)
Rocketium
Typito (meine Low-Budget-Empfehlung)
Wave (meine Empfehlung für Stories ohne O-Ton)

 

Adobe Spark

Adobe Spark kennen manche vielleicht schon von meinem Scrollytelling-Test, denn es gibt neben dem Online-Videoeditor auch noch einen Multimedia-Editor, der für scrollbare Geschichten geeignet ist. Außerdem gibt es noch einen Grafikeditor für Social-Media, den ich mir nicht angeschaut habe. Und man muss sagen: Der Videoeditor gefällt mir erheblich besser als der Multimediaeditor. Nur der Einstieg ist steinig: Bei jedem Log-In muss man teilweise minutenlang Google Captchas ausfüllen. Hat man das einmal geschafft, kann man allerdings mit Spark so schnell wie mit keinem anderen Editor seine eigene Geschichte bauen (die automatischen Edits von Magisto ausgenommen). Das Tool ist extrem auf die notwendigsten Dinge fokussiert. In einem klassischen Timeline-Editor fügt man immer neue Abschnitte hinzu. Eine Besonderheit ist, dass der Videoupload gleich zu einem Trim-Fenster führt – dadurch wird ein Workflow mit Original-Clips erleichtert (die sollten natürlich nicht zu lang sein). Danach kann man Titel oder Untertitel hinzufügen und intuitiv an sechs Stellen positionieren, die Ausrichtung passt sich automatisch an. Da gab es allerdings einen nervigen Bug, bei dem die Schriften zu Kauderwelsch wurden, sobald man die Texteingabe beendet hatte. Beim erneuten Editieren und beim Ausspielen verschwand das zum Glück.
Eine Möglichkeit zum Ändern der Textgröße habe ich vermisst, so ist der kurze Text im zweiten Interview doch arg groß.
Die Musikauswahl ist sehr dünn (unter 40 Songs), aber man kann eigenes Material hochladen. Sehr einfach ist die Lautstärkeregelung gelöst: Mute stellt den Clip stumm (man hört nur die Musik), Soft stellt den Clip leiser als die Musik und Loud stellt den Clip lauter als die Musik. Das reicht aus!

Außerdem gibt es einige Flairs, die vor allem die Schriftart ändern und eine Split-Screen-Variante, bei der man mehr Text hat. Das gab es sonst nur bei Animoto und Wave.
Großartig ist aber bei aller Optionsarmut, dass man eine sehr einfache und intuitive Möglichkeit hat, das visuelle Material zu zoomen und zu verschieben. So ist beim problemlosen Wechsel auf das 1:1-Format eine ordentliche Anpassung der Bildmitten möglich. Das ging sonst nur bei Animoto und Wave.
Das Ausspielen ging flott in wenigen Minuten, leider gibt es neben dem 16:9 nur noch 1:1, aber man arbeitet offensichtlich an einer Hochkantoption.

Hier mein Spark-Video in Querformat:

 

Und hier Spark in 1:1:

 

Fazit: Extrem schneller und intuitiver Editor, mit dem man auch Originalmaterial in unter einer Stunde in einen Clip verwandelt hat. Trotz Funktionsarmut sind alle wichtigen Optionen umgesetzt. Toll ist die intuitive Anpassung der Bildmitten, deshalb ideal fürs Ausspielen in 16:9 und 1:1. Kostenlos mit dem Spark-Logo, mit eigenem Logo für 12€ im Monat zu haben. Im Preis-Leistungsverhältnis daher das beste Tool im Test. Für iOS gibt es außerdem eine App, die Android-App ist angekündigt.

 

 

Animoto

Animoto ist einer der ältesten Clouddienste für Videoschnitt. Tatsächlich merkt man dem Platzhirschen eine hohe Usability an: Man kann sehr schnell starten, in dem man aus Templates einen Beispielfilm auswählt (u.a. Rezepte, Reisestory, Listical oder Tutorial) und den Inhalt mit seinem eigenen Material ersetzt. So kommt man leichter in einen kreativen Prozess. Wie bei den anderen Tools gibt es die Option, Stockfotos zu verwenden (hier von Getty). Das Einsetzen von Inhalten aber auch das Positionieren von Texten geht sehr einfach und intuitiv mit Drag and Drop. Texte lassen sich mit Schiebregler kleiner und größer machen, besonders toll ist die intuitive Veränderung auch von Fotos und Videos mit Maus und Schieberegler. So kann die richtigte Bildmitte für unterschiedliche Ausspielformate gefunden werden – das ging sonst nur bei Adobe Spark und Wave.

Besser als bei anderen Tools ist auch die Aufteilung von Storyboard und Abschnittseditor gelöst: Die wichtigsten Sachen wie Texte, Lautstärke und Fotos kann man nämlich sowohl in der Übersicht als auch im einzelnen Abschnitt ändern. Gut gefallen hat mir der Hintergrundschalter: Man kann Fotos auf Fullscreen, Fit to Frame und Crop left/right stellen. Mit letzterem kann man längere Texte in einem farbigen Kasten unterbringen, während das Foto nur die Hälfte des Screens ausfüllt. Richtig doof ist dagegen, dass Videos unveränderbar eine halbe Sekunde vor Ende abgeblendet werden, das muss man beim Schnitt berücksichtigen. Obwohl die Lautstärke der Hintergrundmusik abgeblendet wird, fehlt bei Szenen mit Musik eine Option, die Hintergrundmusik ganz zu deaktivieren, das haben Rocketium und Spark besser gelöst. Bei den Formaten fehlt leider hochkant. Und man kann diese Formate nicht in einem Schritt ausspielen, sondern muss nochmal in den Editor zurück, um das umzustellen und dann neu auszuspielen.
Der Editor und auch das Ausspielen gehen flüssig und ohne Verzögerung vonstatten. Im fertigen Video sind die Texte angenehm animiert und wirken allgemein sehr professionell.

Hier mein Animoto-Testvideo in 1:1:

 

Fazit: Sehr intuitiver und schneller Editor mit der wichtigen Möglichkeit zur Bildausschnitt-Einstellung. Im Funktionsumfang ähnlich wie Spark, nur dass Spark Hintergrundmusik auch ganz ausblenden kann. Die monatlichen Preise sind leider nicht besonders gut, für 20€ hat man immer noch eine Animoto-Einblendung am Schluss, für Videos ohne Logo muss man 35€ hinlegen. Bei jährlicher Zahlung gibt es aber ordentlich Rabatt. Und es gibt eine zweiwöchige Trial-Option mit allen Funktionen. Wegen des hohen Preises keine Empfehlung – wenn man nicht so viel Wert auf die schöne Schriftdynamik legt, würde ich eher zu Spark raten.

 

 

Magisto

Magisto ist eine der Plattformen, die Videos und Fotos mit Hilfe von Algorithmen bewerten und automatisch eine Geschichte daraus bauen. Das Ergebnis ist relativ gut, wenn man schnell so etwas wie einen Trailer bauen möchte.

Auch bei Magisto kann man aus verschiedenen Formen eine auswählen, die dann auch z.B. die Schriftart bestimmt – bei mir war es die Voreinstellung „Storytelling“. Dann habe ich alle vorbereiteten Elemente in einem Satz hochgeladen und nach wenigen Minuten konnte ich mir ein Video abholen, das überraschend brauchbar war. Aus ein paar hundert vorlizensierten Tracks kann man Musik auswählen (leider ohne Suchfunktion), aber auch eigene hochladen. Richtig toll ist, dass der Schnitt und sogar das Ende mit der Musik synchronisiert ist. So entsteht zusammen mit den animierten Übergängen ein ziemlich schickes, dynamisches Ergebnis.

Erster Schnellwurf – das automatisch erstellte Video in quer:

 

Ebenfalls automatisch erstellt: Das Hochkant-Video.

Es ist zwar ganz ok, dass Magisto das Querformat-Material so geschickt und vielseitig ins Hochkantformat transformiert, aber man hat leider keine Einstellungsmöglichkeiten für Ausschnitt und Bildmitte. Deshalb sollte man besser gleich passendes Material hochladen. Entsprechend eignet sich das Tool nur sehr bedingt für die gleichzeitige Herstellung von Clips in beiden Formaten, das ist bei Animoto, Spark und Wave besser gelöst. Das quadratische 1:1 fehlt noch, aber da die Option schon sichtbar ist, darf man darauf hoffen, dass es das bald gibt.

Trotz der automatischen Videoerstellung hat man viele Optionen, um manuell nachzubessern. Im Prinzip könnte man sein Video auch komplett selbst erstellen, aber dafür fand ich die Bearbeitungsmöglichkeiten etwas zu schwach. So kann man weder Bildausschnitt noch Textfarbe wählen und beim freien Platzieren von Texten hat man keine Option für die Abschattung der Textbox. Und auf jede Gesamtvorschau des Gesamtvideos wartet man 30-60 Sekunden. Ändert man das Video danach, muss man bekloppterweise eine Kopie des Projekts anlegen.

Und hier schließlich meine selbst editierte Fassung:

 

Fazit: Ideal für dynamische Teaser mit wenig Text, die sehr schnell erstellt werden müssen und bei denen es nicht so sehr auf Inhalt und Text ankommt. Nicht so gut für Stories, die stärker mit Untertiteln, Textblöcken und fester Erzählstruktur arbeiten, vielleicht sogar der umständlichste Editor im Test. Magisto kostet rund 120$ im Jahr (wenn man von dem Spartarif „Premium“ absieht, der keine Textbeschriftung erlaubt). Leider gibt es keinen Monatstarif und ohne Kreditkarte kann man kein Trial starten.

 

 

Rocketium

Ok, das Logo von Rocketium sieht aus wie von 2002, aber der Editor ist dann doch moderner. Auch hier geht man in zwei Schritten voran: Zuerst baut man in einem Basiseditor die Geschichte Element für Element auf, wobei hier die Texte und auch die Videolängen festgelegt werden. In einem zweiten Schritt kann man dann das Finetuning machen: Das Theme und die Musik ändern, Position und Länge der Texteinblendungen einstellen und das Ausgabeformat umstellen. Das ist schön, weil man zuerst den logischen Aufbau der Geschichte macht und dann am sichtbaren Ergebnis kreativ werden kann. Schnell kann man z.B. mal einen anderen Stil oder das Hochkantformat ausprobieren. Nachteilig ist dabei, dass man für jede kleine Textänderung wieder zurück zum Basiseditor muss. Wobei: Das mit dem Stil hat bei mir nicht funktioniert, die Bilder blieben schwarz. Allgemein war Rocketium etwas instabil, ich musste öfters mal die Seite neu laden.

Eine weitere Besonderheit von Rocketium ist, dass für einen Abschnitt mehrere aufeinanderfolgende Textabsätze möglich sind. Praktischerweise stellt man nur die Gesamtlänge der Texte ein, die Absätze werden dann gleichmäßig darauf verteilt (im Expert-Abo kann man auch die Dauer der einzelnen Absätze einstellen). Die Texte sind immer abgeschattet und dadurch gut lesbar. Außerdem hat man etwas mehr Einstellungsmöglichkeiten als bei anderen Tools: neben neun Textpositionen und Musik z.B. auch die genaue Lautstärke in einzelnen Abschnitten (sowohl Videolautstärke als auch und durchgehende Musiklautstärke) oder auch Schriftarten- und farben. Das einzige, was man leider nicht einstellen kann, ist die Dauer der Überschriften – die fahren wie in meinem Testbeitrag viel zu schnell aus dem Bild.

Etwas nervig ist leider der Videotrimmer: Wenn man einmal gekürzt hat, kann man das nicht mehr rückgängig machen, sondern muss den Abschnitt löschen und das Video neu hochladen.

Toll ist auf den ersten Blick die Formatvielfalt: 16:9, 9:16, 1:1, 0.8:1 und 612:230. Allerdings fehlt hier auch wie bei Magisto die Option, die ideale Bildmitte festzulegen, so dass beim Umschalten zwischen den Formaten schnell das wichtige Detail weggeschnitten wird. Deshalb auch hier: Besser nur in einem Format starten (1:1 lässt sich als zweite Option meist mitplanen) und das Material vorher manuell in diese Größe bringen.

 

Fazit: Rocketium bringt zwar viele Optionen, wirkt aber an manchen Punkten auch etwas unausgereift. Bei dem hohen Preis von 49$ monatlich bedauerlich. Dafür bietet es alle Formate, die man sich wünschen kann. Mit der Unterteilung in Absätze kriegt man auch längere Stories gut für unaufmerksame Zielgruppen aufbereitet, vorausgesetzt man verzichtet auf Überschriften. Mit Logo-Einblendung von Rocketium lässt sich das Tool für 10 Videos im Monat dauerhaft kostenlos nutzen.

 

 

Typito

Typito könnte der Geheimtipp in meinem Test werden, denn vieles funktioniert hier bei tollem Preis ziemlich gut. Der Editor ist hier nicht wie bei anderen Tools in zwei Teile getrennt, sondern man sieht nach dem Hochladen der Elemente eine Timeline, in der man die Elemente arrangieren kann. Typito ist nicht nur seinem Namen nach ein Schriftkünstler: nur Wave hat ähnlich schöne und vielseitige Schriftoptionen: Größe, Farbe und Breite sind frei wählbar, die Styles sehr vielseitig, oft zweifarbig und teilweise mit Rahmung. Und auch viele Ein-/Ausblendeffekte gibt es. Auf der Timeline lassen sich die Schriftblöcke frei anordnen, es ist das einzige Tool, dass gleichzeitig mehrere Texteelemente unabhängig voneinander steuern kann. Ebenfalls einzigartig ist die freie Verwendung von Logos/Fotos oder Formen (z.B. Sprechblasen) zusätzlich zum Hintergrundbild als Element, z.b. als kleineren Texthintergrund (Farbe und Transparenz frei wählbar). Auch die Fotos lassen sich leicht animieren. Wie bei Rocketium kann man hier auch die Musik für jeden Abschnitt eigenständig regeln. Das Musikangebot ist allerdings ein Witz, es gibt nur 8 Stücke, deren CC-Lizenz man bei Veröffentlichung selbst nennen muss. Aber das ist nicht schlimm, da man selbst Musik hochladen kann.
Durch die vielen Einstellungsmöglichkeiten ist man allerdings auch etwas länger (in meinem Fall fast zwei Stunden) beschäftigt. Eine gute Hilfsfunktion mit kleinen Videos und eine Undo-Funktion runden das Tool ab.

Ein paar Schwachpunkte gibt es allerdings: Supernervig ist es, wenn man in ein fertiges Stück nochmal einen Abschnitt einfügt. Dann verschieben sich zwar folgende Abschnitte, aber nicht die Texte! Und wie bei einigen anderen Tools hat man keine Möglichkeit, die Bilder zu verschieben. Auch hier muss man also vorher passend für sein Ausgabeformat beschneiden.

Die Ausgabe braucht etwas Zeit, ca. 5 Minuten. Braucht man dann noch ein andere Format, z.B. hochkant, ist das im Prinzip schnell umgestellt – aber eigentlich muss man eben die Schriftgrößen und die Bilder nochmal neu machen. In meinem Hochkant-Beispiel hab ich nur die Textgrößen neu eingestellt. Typito kann 16:9, 9:16, 1:1 und letztere zwei nochmal als Letterbox-Variante, bei denen die Querformat-Elemente voll angezeigt werden, so dass der entstehende schwarze Rand für Texte genutzt werden kann.

Hier meine Beispiele (Musik jeweils: Pacific Sun von Nicolai Heidlas, Attribution Creative Commons 4.0 Lizenz). Einmal im Querformat:

 

Und hier zur Abwechlsung mal wieder hochkant – das Bildmaterial hätte man wie gesagt vorher nochmal umarbeiten müssen.

 

Fazit: Ziemlich tolles Tool mit wenigen Schwächen, das vor allem bei Schrift und freier Gestaltung viele andere Tools abhängt, aber dafür kein Ergebnis unter einer Stunde produziert wie z.B. Spark. Die bestehenden Schwierigkeiten bei Musik und Bildzentrierung lassen sich immerhin mit guter Planung beheben. Das beste ist aber der flexible Preis: Kostenlos sind alle Videos mit Typito-Logo. Für 5$ kann man das Logo entfernen. Und es gibt verschiedene monatliche Abos mit noch besseren Preisen, z.B. bekommt man für 25$ acht Videos ohne Logo.
Tipp: Je nach Workflow und Vorkenntnissen lassen sich die Nachteile der fehlenden Bildpositionierung auch dadurch beheben, dass man die relativ leichten Schnittarbeiten in einem Standard-Schnittprogramm wie z.B. Magix ausführt bzw. ausführen lässt und nur die Titelarbeit (die eigentliche Stärke von diesem Tool) auf dem fertigen Video durchführt.

 

 

Wave

Wave ist eines der besten Tools – man braucht nur eine Weile, bis man das merkt. Das Tool ist an vielen Stellen etwas unintuitiv. So kann man nicht einfach auf die Timeline klicken oder das Video mit der Leertaste starten, wie man es aus so vielen anderen Programmen und Tools kennt. Auch die Vorlagen fand ich nicht sonderlich nützlich. Und was sind das für komische Symbole bei der Schriftanimation? Nach einiger Zeit gewöhnt man sich aber an die Eigenheiten und erkennt, dass Wave Video vielleicht am allerbesten für den professionellen Einsatz geeignet ist. Es vereint als einziges Tool folgende drei Punkte:

  • umfangreiche Textoptionen inklusive zweifarbige Schriften
  • alle drei Formate: 16:9, 1:1 und 9:16
  • Zoom und Positionierung der visuellen Elemente (um das Material an ein anderes Bildverhältnis anzupassen

Hinzu kommt eine hilfreiche Brand-Verwaltung, mit der größere Firmen oder Verlage die Schriften, Farben und Logos zum Beispiel für eine Serie festlegen können. Weitere Funktionen, die es bei den anderen Tools nicht gab, war das Rotieren und Spiegeln von Fotos (gut für die Arbeit mit Originalmaterial), einen Bild-Abdimmer (auch mit Farbstich) und das Beschneiden von Bildern, um beliebig Raum für farbigen Hintergrund z.B. für längere Textfelder zu schaffen. Ebenfalls einzigartig ist die coole Linienfunktion bei Texten: Man trennt das Textfeld in mehrere Zeilen auf, für die dann eine Verzögerung eingestellt werden kann. So hat man einen sehr angenehmen Lese-Effekt (schön sichbar bei meinem Abschnitt mit den Terminen). Am Schluss gefiel mir noch die vorbereitete Option für eine Logoanimation. Vor allem die Arbeit mit den Linien verursacht aber etwas mehr Zeitaufwand, so dass man knapp über eine Stunde für ein kurzes Video brauchen dürfte. Am Ende kann man aus einer sehr umfangreichen Musikauswahl eine akustische Untermalung auswählen.

Leider gibt es aber auch bei Wave zwei richtig schlechte Sachen: Zum einen hat das Tool genauso wie Animoto das kurze Interviewvideo zu früh ausgeblendet. Zum anderen wird die Hintergrundmusik nicht automatisch ausgeblendet, wenn ein O-Ton-Video kommt. Und das lässt sich selbst manuell nicht beheben: Man kann eigentlich Musik nur manuell stoppen und später an ähnlicher Stelle fortsetzen. Ich habe versucht, hinter die Interviews noch ein leises Musikstück zu legen – das geht – aber da die Musik nicht durchläuft, klingt das sehr holprig.

Hier ist mein Beispiel mit Wave in Querformat:

 

Und hier mein Wave-Video im Hochformat:

 

Fazit: Das einzige Tool, das alle Formate mit guten Textoptionen und der wichtigen Bildpositionierung vereint. Daher sehr zu empfehlen für professionelle Anwender, die in allen drei Formaten Videos ohne O-Töne produzieren wollen. An die ungewohnte Bedienung gewöhnt man sich schnell, so dass als einziger Schwachpunkt die Probleme mit der Musikabblendung bleiben. Anwender, die neben der Hintergrundmusik auch O-Ton verwenden, würde ich eher zu Typito oder Spark raten. Der Preis liegt mit 39$ pro Monat im oberen Feld.
Tipp: Je nach Workflow und Vorkenntnissen lassen sich die Nachteile bei der Musikabblendung und der Bedienung auch dadurch beheben, dass man die relativ leichten Schnittarbeiten in einem Standard-Schnittprogramm wie z.B. Magix ausführt bzw. ausführen lässt und nur die Titelarbeit (die eigentliche Stärke von diesem Tool) auf dem fertigen Video durchführt.

 

 

Nicht geeignet

Zwei Tools habe ich mir kurz angeschaut, aber aus guten Gründen nicht weiter getestet:
Moovly erinnert sehr stark an ein normales Timeline-Schnittprogramm wie der gute alte Moviemaker. Natürlich kann man mit diesem Online-Tool auch Text in Filme einfügen, aber es ist mühsam. Damit fällt es weit hinter Möglichkeiten und Komfort eines echten Desktop-Schnittprogrammes zurück. Für Einsteiger empfehle ich da eher iMovie oder Openshot, für Fortgeschrittene Magix Video Deluxe und Profis wissen eh schon, was ihr Lieblingstool ist (z.B. Premiere oder Finalcut).

Renderforest ist eine Plattform, bei der man immer mit einem Template starten muss. Diese sind sehr stark auf Marketing ausgerichtet, so dass man als Journalist kaum fündig wird. Für Werbetrailer aber ein tolles Tool.

Nicht getestet

Die reine Mobile-Produktion habe ich hier nicht berücksichtigt. Neben den bekannteren Schnitt-Apps, die natürlich auch Stories mit Text erstellen können, gibt es auch auf Betextung spezialisierte Apps wie Vidlab (iOS) oder Gravie (iOS).

Danke an Steven Kryger, in dessen Übersichtsartikel ich einige mir unbekannte Tools gefunden habe: 14 Tools for Marketers to Quickly Make Engaging Videos for Social Media

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